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<title>Körpermodifikation</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Körpermodifikation</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Körpermodifikation</b> (<a href="Englische_Sprache" title="Englische Sprache">englisch</a> <b><span lang="en">Body-Modification</span></b>, auch kurz <span lang="en"><b>BodMod</b></span>) ist ein Oberbegriff für verschiedene willkürliche Veränderungen am <a href="Menschlicher_K%C3%B6rper" title="Menschlicher Körper">menschlichen Körper</a>. Sie werden ohne medizinische <a href="Indikation" title="Indikation">Indikation</a>, beispielsweise aus optischen Gründen und überwiegend durch kommerzielle Anbieter durchgeführt. Im Gegensatz zu anderen Arten den Körper zu verändern, beispielsweise <a href="Training" title="Training">Training</a>, <a href="Schminke" title="Schminke">Schminke</a> oder <a href="Haarf%C3%A4rbung" title="Haarfärbung">Haarfärbung</a>, sind Körpermodifikationen mit verletzenden Eingriffen in die Substanz des menschlichen Körpers (die <a href="Haut" title="Haut">Haut</a>, teilweise auch darunter liegendes <a href="Knorpel" title="Knorpel">Knorpel</a>- und <a href="Fettgewebe" title="Fettgewebe">Fettgewebe</a>) und mit dauerhaften oder schwer rückgängig zu machenden Verletzungen verbunden.
</p><p>Zur Körpermodifikation zählen <a href="T%C3%A4towierung" title="Tätowierung">Tätowierungen</a>, <a href="Piercing" title="Piercing">Piercings</a>, <a href="Implant" title="Implant">Implants</a>, Brandings und <a href="Skarifizierung" title="Skarifizierung">Schmucknarben</a>. Die Abgrenzung gegenüber <a href="Sch%C3%B6nheitschirurgie" class="mw-redirect" title="Schönheitschirurgie">schönheitschirurgischen Eingriffen</a> ist nicht eindeutig. Auch Silikonimplantate und <a href="Beschneidung" title="Beschneidung">Beschneidungen</a> gehören zur Körpermodifikation.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>


<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Liste_von_Ethnien_mit_traditionellen_K%C3%B6rpermodifikationen" title="Liste von Ethnien mit traditionellen Körpermodifikationen">Liste von Ethnien mit traditionellen Körpermodifikationen</a></div>
<p>Die meisten Formen gehen auf jahrhundertealte Rituale verschiedener Völker zurück. Abgesehen von Tätowierung findet sich Körpermodifikation in Europa erst seit kurzem. Mit der Entdeckung <a href="Polynesien" title="Polynesien">Polynesiens</a> im 18. Jahrhundert wurde Tätowieren bekannt, verbreitete sich Ende des 19. Jahrhunderts und kam während der beiden Weltkriege wieder zum Erliegen. Nach dem <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a> gab es in Deutschland keine hauptberuflichen <a href="T%C3%A4towierer" title="Tätowierer">Tätowierer</a> und Piercing war weitgehend vergessen.
</p><p>Seit den 1970er Jahren erlebten <a href="T%C3%A4towierung" title="Tätowierung">Tätowierungen</a> einen Aufschwung. Seit 1980 und vor allem in den 1990er Jahren kam das <a href="Piercing" title="Piercing">Piercing</a> dazu. Auch andere Formen der Körpermodifikation verbreiteten sich in Deutschland. Heute gibt es eine breite Szene. Die extremen Body-Modifications sind weitestgehend auf Nordamerika beschränkt, wo sich auch die Subkultur der <a href="Modern_Primitive" title="Modern Primitive">Modern Primitives</a> entwickelte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Formen">Formen</h2></div>
<p>Die bekanntesten Formen sind Tätowierungen und Piercings. Darüber hinaus gibt es aber weitere Formen der Körpermodifikation.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Tätowierung"><span id="T.C3.A4towierung"></span>Tätowierung</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="T%C3%A4towierung" title="Tätowierung">Tätowierung</a></i></div>
<p>Eine Tätowierung, auch Tatauierung oder Tattoo, ist ein Motiv, das mit Tinte oder anderen Farbmitteln in die Haut eingebracht wird. Dazu wird die Farbe meist mit einer <a href="T%C3%A4towiermaschine" title="Tätowiermaschine">Tätowiermaschine</a> durch eine oder mehrere Nadeln in die zweite <a href="Dermis" title="Dermis">Hautschicht</a> gestochen und dabei ein Bild oder Text gezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Eyeball_Tattoo_/_Sclera_Tattoo"><span id="Eyeball_Tattoo_.2F_Sclera_Tattoo"></span>Eyeball Tattoo / Sclera Tattoo</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Episclerale_T%C3%A4towierung" title="Episclerale Tätowierung">Episclerale Tätowierung</a></i></div>
<p>Die episclerale Tätowierung (Augapfeltattoo) ist eine Tätowierung, bei der Tätowierfarbe unter die Lederhaut (Sclera) des Auges injiziert wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Piercing">Piercing</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Piercing" title="Piercing">Piercing</a></i></div>
<p>Hierbei wird <a href="Piercingschmuck" title="Piercingschmuck">Piercingschmuck</a> in Form von Ringen oder Stäben an verschiedenen Stellen des menschlichen Körpers durch die Haut und darunter liegendes Fett- oder Knorpelgewebe hindurch angebracht. Meist werden Piercings an Hautfalten oder Körperöffnungen (Mund, Nase, Ohr, Genitalien) angebracht. Liegen Ein- und Austrittsstelle auf einer Ebene, spricht man von <a href="Oberfl%C3%A4chenpiercing" title="Oberflächenpiercing">Oberflächenpiercings</a>. Piercings können bis zu einem großen Durchmesser <a href="Geweitete_Piercings" title="Geweitete Piercings">geweitet</a> werden. Temporäre Piercings, die z.&nbsp;B. für ein Fotoshooting, nur mit Kanülen gemacht werden, bezeichnet man als Playpiercing.<sup id="cite_ref-BUA_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-BUA-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Transdermals">Transdermals</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Transdermales_Implantat" title="Transdermales Implantat">transdermales Implantat</a></i></div>

<p>Transdermals, auch transdermale Implantate genannt, sind Implantate, bei welchen eine kleine Metallplatte unter die Haut gebracht wird. An dieser befindet sich ein Gewindestab, der zur Anbringung verschiedener Schmuckaufsätze dient. Eine Spezialform sind sogenannte <a href="Microdermal" class="mw-redirect" title="Microdermal">Microdermals</a> oder Dermal Anchors. Hierbei handelt es sich um Transdermals mit einer relativ kleinen Implantatfläche, die aufgrund ihrer schnellen Verheildauer sehr beliebt sind. Transdermals sind optisch den Oberflächenpiercings sehr ähnlich.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Skarifizierung">Skarifizierung</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Skarifizierung" title="Skarifizierung">Skarifizierung</a></i></div>
<p>Skarifizierung bezeichnet das Anbringen von Ziernarben in die Haut. Je nach Methode verwendet man dafür auch die Begriffe <i>Cutting</i> für die Erzeugung von Narben durch Schnittwunden beziehungsweise <i>Branding</i> für äußerliche Brandmale.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Beschneidung">Beschneidung</h3></div>

<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Zirkumzision" title="Zirkumzision">Zirkumzision</a> und <a href="Labioplastik" title="Labioplastik">Labioplastik</a></i></div>
<p>Bei der <a href="Beschneidung" title="Beschneidung">Beschneidung</a> wird Gewebe an den <a href="Genitalien" class="mw-redirect" title="Genitalien">Genitalien</a> entfernt.
</p><p>Beim Mann wird bei der Zirkumzision die <a href="Penisvorhaut" title="Penisvorhaut">Penisvorhaut</a> ganz oder teilweise entfernt. Die Durchtrennung des <a href="Vorhautb%C3%A4ndchen" class="mw-redirect" title="Vorhautbändchen">Vorhautbändchens</a> wird als <a href="Frenulotomie_(Urologie)" title="Frenulotomie (Urologie)">Frenulotomie</a>, dessen Entfernung als <a href="Frenulektomie" class="mw-redirect" title="Frenulektomie">Frenulektomie</a> bezeichnet. Bei der <a href="Subinzision" title="Subinzision">Subinzision</a> und <a href="Bifurkation_(K%C3%B6rpermodifikation)" title="Bifurkation (Körpermodifikation)">Bifurkation</a> wird der vordere Teil der Harnröhre gespalten.
</p><p>Die <a href="Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung" title="Weibliche Genitalverstümmelung">Weibliche Genitalverstümmelung</a> bezeichnet die teilweise oder vollständige <a href="Amputation" title="Amputation">Amputation</a> beziehungsweise <a href="Schaden" title="Schaden">Beschädigung</a> der äußeren weiblichen <a href="Geschlechtsorgan" title="Geschlechtsorgan">Geschlechtsorgane</a> ohne medizinische Indikation.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-who_definition_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-who_definition-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es gibt auch plastische Chirurgie für Modifikationen an den <a href="Schamlippen" title="Schamlippen">Schamlippen</a> (<a href="Labioplastik" title="Labioplastik">Labioplastik</a>) und zur <a href="Klitorisvorhautreduktion" title="Klitorisvorhautreduktion">Reduktion oder Entfernung</a> der <a href="Klitorisvorhaut" title="Klitorisvorhaut">Klitorisvorhaut</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Weitere_Formen">Weitere Formen</h3></div>
<p>Es gibt weitere, eher seltenere Formen der Körpermodifikation. Beispielsweise können bestimmte Körperteile gespalten werden, beispielsweise die <a href="Zungenspaltung" title="Zungenspaltung">Zungenspaltung</a>, <a href="Implant" title="Implant">Implants</a> oder den temporären <a href="Bagelhead" title="Bagelhead">Bagelhead</a>.
</p><p>Manche Formen sind oder waren auf bestimmte Ethnien oder Kulturkreise beschränkt, beispielsweise <a href="F%C3%BC%C3%9Febinden" title="Füßebinden">Füßebinden</a>, <a href="Brustb%C3%BCgeln" title="Brustbügeln">Brustbügeln</a>, <a href="Tellerlippen" class="mw-redirect" title="Tellerlippen">Tellerlippen</a>, <a href="Lippenpflock" title="Lippenpflock">Lippenpflock</a> (siehe auch: <a href="Lippenvergr%C3%B6%C3%9Ferung" title="Lippenvergrößerung">Lippenvergrößerung</a>), <a href="Sch%C3%A4deldeformation" title="Schädeldeformation">Schädeldeformation</a> oder <a href="Padaung" title="Padaung">Padaung</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Motive">Motive</h2></div>
<p>Für Körpermodifikation haben Personen unterschiedlicher Kulturen verschiedene Motive.<sup id="cite_ref-Kasten_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Optische_Motive">Optische Motive</h3></div>

<p>Das häufigste Motiv ist die Verschönerung des Körpers. Was jeweils als schön anzusehen ist, wird stark durch soziale und kulturelle Vorgaben beeinflusst und manifestiert sich im vorherrschenden <a href="Sch%C3%B6nheitsideal" title="Schönheitsideal">Schönheitsideal</a>. Dieses unterscheidet sich je nach Epoche und Kulturkreis. Zahlreiche Formen der Körpermodifikation wie Piercing oder Branding, die heute weitgehend akzeptiert sind, wurden vor wenigen Jahrzehnten im Westen als unschön betrachtet und sozial geächtet. Es gibt auch den Wunsch sich von der Masse abzuheben (Schockeffekt).<sup id="cite_ref-BUA_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-BUA-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Kasten_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Rituelle_Motive">Rituelle Motive</h3></div>

<p>In vielen archaischen Kulturkreisen stellt die Veränderung des menschlichen Körpers einen rituellen Eingriff dar, der als <a href="Initiation" title="Initiation">Initiationsritual</a> dient. Die Modifikation erfolgt meist im späten Kindes- oder frühem Jugendalter und stellt den Übergang zur Welt der Erwachsenen dar. Eine wesentliche Komponente des Rituals ist das Aushalten und <a href="Transzendenz" title="Transzendenz">Transzendieren</a> der mit dem Eingriff einhergehenden Schmerzen.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch als Abgrenzung gegenüber anderen Stämmen werden Körpermodifikationen eingesetzt.<sup id="cite_ref-Kasten_4-2" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mitunter werden von einigen Wissenschaftlern auch die heutigen Formen der Körpermodifikation als Merkmal einer <i>Autoinitiation</i> angesehen: in unserer heutigen, entritualisierten Welt, wird dem Bedürfnis nach einer Markierung des Übergangs zum Erwachsensein selbst entsprochen. Dafür spricht die Tatsache, dass ein Großteil der Erst-Piercings beziehungsweise Tattoos im Alter zwischen 16 und 24 Jahren gestochen wird. So kann ein zum 18. Geburtstag gestochenes Piercing das Ende der <a href="Adoleszenz" title="Adoleszenz">Adoleszenz</a> symbolisiert zum Ausdruck bringen.<sup id="cite_ref-Kasten_4-3" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kulturelle_Identität"><span id="Kulturelle_Identit.C3.A4t"></span>Kulturelle Identität</h3></div>

<p>Körpermodifikation stellt ein Mittel dar, um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten kulturellen bzw. subkulturellen Gruppe darzustellen, beispielsweise Stämme oder Clans. Die Modifikationen können sich zwischen den Stämmen unterscheiden – ein Lippenteller oder Padaung weist auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm hin. Die an sich gleichen Modifikationen können auch in geringen Nuancen variieren und Aufschluss über die Herkunft geben. Bei vielen benachbarten afrikanischen Stämmen sind beispielsweise Skarifizierung oder Tätowierung verbreitet, wobei Muster oder Motive die Stammeszugehörigkeit codieren. Auch bei der japanischen <a href="Yakuza" title="Yakuza">Yakuza</a> dienen Tätowierungen dazu, die Zugehörigkeit zur Vereinigung zu demonstrieren.<sup id="cite_ref-Kasten_4-4" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der heutigen modernen Gesellschaft sind es vielmehr soziokulturelle Gruppen, mit denen eine Identifikation stattfindet. Beispielsweise galten Piercings in den 1980er Jahren als Zeichen von Rebellion gegen das Establishment und Gegenkultur. Mit der inzwischen weitgehenden Verbreitung durch alle Bevölkerungsschichten und der Akzeptanz in der Gesellschaft hat der Aspekt der Abgrenzung gegen den <a href="Mainstream" title="Mainstream">Mainstream</a> an Bedeutung verloren. Mittlerweile werden Piercings im Westen primär wegen ihrer ästhetischen Komponente geschätzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Funktionale_Gründe"><span id="Funktionale_Gr.C3.BCnde"></span>Funktionale Gründe</h3></div>
<p>Einige Modifikationen haben funktionale Aspekte, die bestimmte Bereiche des Lebens verbessern. So wird der von vielen Kulturen praktizierten <a href="Zirkumzision" title="Zirkumzision">Zirkumzision</a> eine Verbesserung der <a href="Hygiene" title="Hygiene">Hygiene</a> und eine geringere Gefahr der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten zugeschrieben, dies wird allerdings kontrovers diskutiert und die Studienlage dazu ist nicht einheitlich. Die bei einigen indigenen Stämmen <a href="Zentralaustralien" class="mw-redirect" title="Zentralaustralien">Zentralaustraliens</a> vorkommende <a href="Subinzision" title="Subinzision">Subinzision</a> kann als Maßnahme der <a href="Empf%C3%A4ngnisverh%C3%BCtung" title="Empfängnisverhütung">Geburtenkontrolle</a> angesehen werden. Verschiedene Intimpiercings, wie das <a href="Apadravya" title="Apadravya">Apadravya</a> beim Mann oder das <a href="Klitorisvorhautpiercing" title="Klitorisvorhautpiercing">Klitorisvorhautpiercing</a> bei der Frau, sollen zu einer Intensivierung der Stimulation beim Geschlechtsverkehr führen.<sup id="cite_ref-Kasten_4-5" class="reference"><a href="#cite_note-Kasten-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Risiken">Risiken</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Medizinische_Risiken">Medizinische Risiken</h3></div>
<p>Bei jeder Körpermodifikation besteht die Gefahr ungewollter Auswirkungen auf den Körper, insbesondere wenn Modifikationen (zum Beispiel durch unlizenzierte Chirurgen bzw. Personal ohne entsprechende medizinische Vorkenntnisse) an einem dafür ungeeigneten Ort durchgeführt werden, was lebensgefährlich sein kann und in vielen Ländern illegal ist. Unter Beachtung der notwendigen <a href="Hygiene" title="Hygiene">Hygiene</a>, sind professionell durchgeführte Körpermodifikationen überwiegend risikoarm, aber dennoch nicht völlig ohne Risiken. Während der <a href="Wundheilung" title="Wundheilung">Wundheilung</a> sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass es nicht zu <a href="Entz%C3%BCndung" title="Entzündung">Entzündungen</a> kommt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psychische_Risiken">Psychische Risiken</h3></div>
<p>Unzufriedenheit mit dem Aussehen des eigenen Körpers ist ein universelles Phänomen mit fließenden Übergängen zwischen normalen und klinischen Ausprägungen. Bei der körperdysmorphen Störung <a href="Dysmorphophobie" class="mw-redirect" title="Dysmorphophobie">Dysmorphophobie</a> erreichen jedoch die Beschäftigung mit dem Aussehen, die Diskrepanz zwischen Erleben und objektiver Beurteilung sowie der Leidensdruck ein extremes Ausmaß.
Eine derartige, psychisch bedingte Wahrnehmungsstörung, die für dauerhafte Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper sorgt, kann nicht durch Body Modification oder <a href="Sch%C3%B6nheitsoperation" title="Schönheitsoperation">Schönheitsoperationen</a> gelindert werden. Insbesondere im Hinblick auf Wirksamkeit und Langzeitfolgen ist von operativen Eingriffe sowie kosmetischen Behandlungen im Sinne von Körpermodifikation abzusehen. Wobei die Nachfrage durch Betroffene besonders hoch ist. Dabei wird die zu Grunde liegende Störung meistens nicht festgestellt, und viele Behandlungen werden ohne ausreichende Indikation durchgeführt. Die Ergebnisse der Behandlungen stellen die Patienten selten zufrieden.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Wunsch sich gesunde Körperteile amputieren zu lassen, geht ebenfalls auf eine Störung, die <a href="Body_Integrity_Identity_Disorder" class="mw-redirect" title="Body Integrity Identity Disorder">Body Integrity Identity Disorder</a>, zurück und ist von regulärer Körpermodifikation aus den oben genannten Motiven abzugrenzen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Filmografie">Filmografie</h2></div>
<ul><li>2005: <a href="Modify" class="mw-redirect" title="Modify">Modify</a>, Regie: Jason Gary und Greg Jacobson.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Rhea Kälin: <i>Body Modification. Psychologische Aspekte von Piercings und anderen Körperveränderungen.</i> Universität Zürich, 2008, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zora.uzh.ch/10147/2/Kälin_Diss_2008V.pdf">Online PDF-Datei</a></li>
<li><a href="Erich_Kasten_(Psychologe)" title="Erich Kasten (Psychologe)">Erich Kasten</a>: <i>Body-Modification. Psychologische und medizinische Aspekte von Piercing, Tattoo, Selbstverletzung und anderen Körperveränderungen.</i> Reinhardt, München/Basel 2006, ISBN 3-497-01847-3.</li>
<li>Tobias Prüwer: <i>Fürs Leben gezeichnet. Body Modification und Körperdiskurse.</i> Parodos, Berlin 2012, ISBN 978-3-938880-49-4.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Body_modification?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Body-Modification</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.body-modification.org/">www.Body-Modification.org</a> – Deutsche Webseite zum Thema Körpermodifikationen</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.bodymod.org/showCase.aspx">www.BodyMod.org</a> – Webseite zum Thema Körpermodifikationen (engl.)</li></ul>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.imdb.com/title/tt0455980/"><i>Modify</i></a> bei <a href="IMDb" title="IMDb">IMDb</a><div style="display:none"> </div></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-BUA-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-BUA_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-BUA_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/bodies-under-attack-pdf.media.c5dcabb587e05ff92e4bb63fc6968960.pdf"><i>Bodies under Attack. Eine Reise in die Welt der Körpermodifizierung Von Elodie Pascal</i></a> Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 5. Juni 2021.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bmz.de/de/themen/frauenrechte-und-gender/gewalt-gegen-frauen-und-maedchen/fgm-weibliche-genitalverstuemmelung"><i>Weibliche Genitalverstümmelung (FGM).</i></a><span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 7.&nbsp;Dezember 2022</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AK%C3%B6rpermodifikation&amp;rft.title=Weibliche+Genitalverst%C3%BCmmelung+%28FGM%29&amp;rft.description=Weibliche+Genitalverst%C3%BCmmelung+%28FGM%29&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.bmz.de%2Fde%2Fthemen%2Ffrauenrechte-und-gender%2Fgewalt-gegen-frauen-und-maedchen%2Ffgm-weibliche-genitalverstuemmelung&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
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<li id="cite_note-who_definition-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-who_definition_3-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20130121195115/http://www.fgmnetwork.org/eradication/state/who.html"><i>1995 World Health Organization (WHO) Classification of FGM</i>.</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 21. Januar 2013 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) In: <i>The FGC Education and Networking Project.</i></span>
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<li id="cite_note-Kasten-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-4">e</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Kasten_4-5">f</a></sup></span> <span class="reference-text">Erich Kasten: <i>Body-Modification. Psychologische und medizinische Aspekte von Piercing, Tattoo, Selbstverletzung und anderen Körperveränderungen.</i> Reinhardt, München / Basel 2006, ISBN 3-497-01847-3.</span>
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<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Sch%F6nheitschirurgie?s=&amp;p=1&amp;n=1&amp;nid=83469">HNO-Ärzte warnen vor Komplikationen nach Piercing und Bodymodifying</a>, Ärzteblatt, 15. November 2017</span>
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